Was verändert sich im Leben, nachdem wir aufhören, so zu tun, als hätten wir unendlich biel Zeit?
Mein neues Buch „Die inneren Länder der Endlichkeit“ beschäftigt sich mit einem Thema, dem die meisten Menschen lieber aus dem Weg gehen. Als Internistin, Psychotherapeutin und Palliativmedizinerin habe ich viele Menschen in Situationen begleitet, in denen die Selbstverständlichkeiten des Lebens plötzlich nicht mehr selbstverständlich waren. Eine lebensbedrohliche Diagnose. Der Verlust eines geliebten Menschen. Die Erkenntnis, dass die eigene Zeit begrenzt ist.
Genau darum geht es in diesem Buch. Es beschreibt die inneren Landschaften, die Menschen betreten, wenn sie mit der Endlichkeit konfrontiert werden. Die unterschiedlichen psychischen Reaktionen, die dabei entstehen können. Die Hoffnungen, Ängste, Konflikte und Bewältigungsstrategien, die uns in solchen Situationen begegnen.
Und doch habe ich beim Schreiben immer wieder etwas Interessantes festgestellt:
Obwohl das Buch vom Sterben handelt, geht es eigentlich die ganze Zeit um das Leben.
Denn die Fragen, die Menschen angesichts von Endlichkeit bewegen, sind oft dieselben Fragen, die uns alle irgendwann beschäftigen:
- Was ist wirklich wichtig?
- Wie möchte ich leben?
- Was gibt meinem Leben Sinn?
- Welche Beziehungen tragen mich?
- Was bereue ich?
- Welche Geschichten erzähle ich mir über mein eigenes Leben?
- Wie gehe ich mit Verlust, Veränderung und Unsicherheit um?
Deshalb fühle ich mich nicht nur der Palliativmedizin verbunden, sondern auch der existenziellen Psychotherapie.
Die existenzielle Psychotherapie beschäftigt sich mit den großen Fragen des Menschseins: Endlichkeit, Freiheit, Verantwortung, Sinn, Verbundenheit und Identität. Mit den Momenten, in denen unsere bisherige Landkarte nicht mehr ausreicht und wir gezwungen sind, uns neu zu orientieren.
Das kann durch eine schwere Erkrankung geschehen. Durch einen Verlust. Durch eine Krise. Durch eine Trennung. Oder einfach durch den Moment, in dem wir erkennen, dass das Leben nicht unbegrenzt ist.
Genau deshalb möchte ich in meinem Blog nicht nur über Sterben und Trauer schreiben. Ich möchte über die Fragen schreiben, die hinter diesen Themen liegen. Über Sinn und Orientierung. Über Verlust und Verbundenheit. Über die Kunst, mit Unsicherheit zu leben. Über die Veränderungen, die Menschen durch Krisen erfahren. Und darüber, wie wir auch in schwierigen Lebensphasen neue Landkarten entwickeln können.
Denn die meisten Menschen möchten nicht ständig über den Tod nachdenken. Das möchte ich auch nicht. Aber ich glaube, dass die Auseinandersetzung mit Endlichkeit uns manchmal dabei helfen kann, bewusster zu leben. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mich dieses Thema seit vielen Jahren begleitet.
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